Mangelware Auszubildende

Friseurmarkt verstehen

Mangelware Auszubildende

Der Nachwuchs entscheidet darüber, wie zukunftsfähig ein Handwerk bleibt. Im Friseurhandwerk ist diese Frage besonders spürbar: In vielen Salons fehlen junge Menschen, die den Beruf lernen, weiterentwickeln und später selbst Verantwortung übernehmen möchten.

Die Zahlen zeigen eine Entwicklung, die man nicht wegreden sollte. Sie zeigen aber auch: Jede gute Ausbildung, jedes ernst gemeinte Gespräch über den Beruf und jeder Arbeitsplatz mit Perspektive kann etwas verändern.

Junge Menschen bei der praktischen Arbeit im Friseurhandwerk
19.548bestandene Gesellenprüfungen gab es 1987 bei 50.821 eingetragenen Salons.
3.154Gesellinnen und Gesellen standen 2024 rechnerisch 80.363 Salons als Nachwuchskräfte gegenüber.
13.889Auszubildende wurden 2024 gezählt – nach 13.509 im Vorjahr.

Der lange Rückgang

2008 wurden im Friseurhandwerk noch mehr als 40.000 Auszubildende gezählt. Bis 2023 sank ihre Zahl auf 13.509. Der leichte Anstieg auf 13.889 Auszubildende im Jahr 2024 ist deshalb ein wichtiges Signal. Er ist noch keine Entwarnung, aber er zeigt, dass der Beruf Menschen weiterhin erreichen kann.

Rechnerisch standen 2024 rund 0,04 neue Gesellinnen und Gesellen je Salon zur Verfügung. Hinter dieser Zahl stehen sehr unterschiedliche Situationen: Salons, die gerne ausbilden würden, aber keine Bewerbungen erhalten. Junge Menschen, die sich einen kreativen und sicheren Beruf wünschen, jedoch mit unklaren Bildern über Verdienst, Entwicklung und Arbeitsalltag konfrontiert sind. Und Teams, die längst an ihrer Belastungsgrenze arbeiten.

Was den Beruf attraktiv macht

Eine Ausbildung im Friseurhandwerk ist weit mehr als Technik. Sie verbindet Kreativität, Beratung, Handwerk, Kommunikation und das gute Gefühl, Menschen sichtbar weiterzuhelfen. Damit diese Seite des Berufs wahrgenommen wird, müssen wir sie im Alltag auch zeigen: mit Zeit für Anleitung, respektvollem Umgang, fairer Vergütung und echten Entwicklungsmöglichkeiten.

Geringe Ausbildungsvergütungen, körperliche Belastung und fehlende Orientierung können junge Menschen abschrecken. Auch die Konkurrenz anderer Berufe ist real. Umso wichtiger ist es, dass ein Ausbildungsplatz nicht als billige Arbeitskraft verstanden wird, sondern als gemeinsame Investition in die Zukunft – für den jungen Menschen, für das Team und für den Salon.

Mehr Vielfalt ist eine Chance

Seit 2018 steigt der Anteil männlicher Nachwuchskräfte deutlich; 2024 lag er bei 26,1 Prozent. Auch der wachsende Anteil von Auszubildenden ohne deutsche Staatsbürgerschaft zeigt, wie offen und integrationsfähig das Friseurhandwerk sein kann. Diese Vielfalt ist kein Nebenaspekt. Sie bringt unterschiedliche Lebenswege, Ideen und Talente in die Salons.

Gleichzeitig darf eine Ausbildung nicht an mangelnder Begleitung scheitern. Vorzeitige Vertragslösungen haben meist mehrere Ursachen: Erwartungen passen nicht zusammen, die Belastung wird unterschätzt, Anerkennung fehlt oder eine klare Perspektive ist nicht erkennbar. Gute Ausbildung heißt deshalb, im Gespräch zu bleiben – besonders dann, wenn es schwierig wird.

Unsere gemeinsame Aufgabe

Der Fachkräftenachwuchs fällt nicht vom Himmel. Er wächst dort, wo Ausbildung ernst genommen wird: durch gute Anleitung, sichtbare Wertschätzung und einen Salonalltag, in dem junge Menschen gerne bleiben möchten. Wer heute ausbildet, gestaltet die Qualität von morgen.

Die im Beitrag genannten Bestandszahlen beziehen sich auf die jeweiligen Berichtsjahre 1987, 2008, 2023 und 2024. Sie dienen der Einordnung der langfristigen Entwicklung im Friseurhandwerk.

image_pdf
Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.