Preise im Friseurhandwerk – Zwischen Realität und ruinösem Wettbewerb
Ort / Datum – Die Diskussion um Friseurpreise ist neu entfacht. Schlagzeilen über Männerhaarschnitte für 100 Euro sorgen für Aufsehen, doch gesichert ist das keineswegs. Fakt ist: Die Preise im Friseurhandwerk müssen steigen – wie hoch, hängt vom jeweiligen Betrieb ab. Das bestätigt auch Jörg Müller, Geschäftsführer des Zentralverbands des Friseurhandwerks.
Wirtschaftliche Schieflage – Zahlen, die alarmieren
Die Branchenkennzahlen für das erste Coronajahr zeigten deutlich, wie stark die Branche unter Druck stand:
– Umsatzrückgang von 7,03 Mrd. auf 5,9 Mrd. Euro zwischen 2020 und 2022
– Beschäftigtenzahl sank um 9,7 %
– Preissteigerung von nur 4,1 % bei einer Inflationsrate von 7,4 % (April 2022)
Die Folge: Friseurunternehmerinnen und -unternehmer haben real weniger Einkommen zur Verfügung – bei gleichzeitig steigenden Kosten.
Herausforderungen auf allen Ebenen
– Rückzahlungen von Corona-Soforthilfen
– Rasant steigende Energie- und Materialkosten
– Mindestlohn-Erhöhung auf 12,50 Euro
– Fachkräftemangel und steigende Personalkosten
– Inflation und Lieferkettenprobleme
Die Branche steuert auf „Schweizer Verhältnisse“ zu – zweistellige Preissteigerungen sind vielerorts unvermeidbar.
Strukturelle Probleme – Fehler der Vergangenheit
Seit Jahren hinkt das Preisniveau im Friseurhandwerk der wirtschaftlichen Entwicklung hinterher. Gründe dafür:
– Ein harter Verdrängungswettbewerb durch eine zu hohe Zahl an Betrieben
– 32 % der Salons sind als Kleinstunternehmen steuerbefreit – und geben die Ersparnis als Preisvorteil weiter
– Ähnliche Betriebskosten bei teils extremen Preisunterschieden
Lohnkosten machen 40–50 % des Umsatzes aus – hier wird gespart, ebenso bei der Umsatzsteuer. Die Folge: Schwarzarbeit und Dumping. Razzien der Finanzkontrolle zeigen mit einer Trefferquote von 75 % die Schattenseiten des ruinösen Wettbewerbs.
Faire Löhne brauchen faire Preise
Die Wertschöpfung im Friseurhandwerk ist erschreckend niedrig. Laut Statistischem Bundesamt setzte jede der 240 000 Beschäftigten im Jahr 2017 durchschnittlich nur 28 000 Euro um – im Vergleich zu 126 000 Euro in anderen Handwerksberufen. Niedrige Preise führen zu geringem Umsatz – und verhindern faire Löhne.
Ausblick: Ein Teufelskreis, der durchbrochen werden muss
In Zeiten des Fachkräftemangels, steigender Kosten und wachsender Ansprüche ist ein Umdenken überfällig. Faire Preise sind keine Luxusforderung, sondern die Voraussetzung für Qualität, Ausbildung, soziale Sicherheit und Zukunftsfähigkeit im Friseurhandwerk.
Die Initiative „Der faire Salon“ setzt sich für genau diese Werte ein – und fordert ein Ende des ruinösen Preiswettbewerbs zugunsten eines nachhaltigen, verantwortungsvollen Miteinanders.
Kontakt für Rückfragen:
[Name des Unternehmens]
[Adresse, Telefon, E-Mail]
[Website]

