
Die öffentliche Wahrnehmung des Friseurberufs ist oft geprägt von der Vorstellung, dass Saloninhaber mit minimalem Aufwand hohe Gewinne erzielen. “Miete, Energie und dann eine Schere, etwas Material und die Mitarbeiter die ohnehin wenig verdienen…. ” so der Gedanke. Nachsatz: Billigfriseure verdienen ja auch noch, trotz niedriger Preise!
Doch die Realität sieht anders aus – und sie ist ernüchternd.
Laut Branchenzahlen existierten Ende 2021 rund 86.021 Friseursalons in Deutschland – ein Anstieg von über 22.000 Betrieben seit der Jahrtausendwende, bei gleichbleibender Bevölkerungszahl. Das bedeutet: weniger Kunden pro Salon, sinkender Umsatz bei steigenden Kosten.
Besonders kritisch wird die Situation durch die Kleinstunternehmen, die weniger als 22.000 Euro Jahresumsatz erzielen und deshalb von der Umsatzsteuer befreit sind.
Von den 84.650 lt Berufsgenossenschaft BGW Betriebsstätten, waren lediglich
51.616 Salons in der Umsatzsteuerstatistik des Bundes erfasst. Die Differenz von
33.042 Friseurbetrieben ist von der Umsatzsteuer befreit.
Die Kleinstunternehmen
Sie verzeichnen einen Jahresumsatz von WENIGER als 22.000,- €uro im JAHR und brauchen aus diesem Grund, anders als alle Mitbewerber, keine 19% Umsatzsteuer abführen.
22.000 € Jahr, bedeutet einen Umsatz im Monat von weniger als 1.833,- €uro oder bei 22 Arbeitstagen von weniger als 84 ,- €uro pro Tag.
Selbst wenn man die Ersparnis der nicht gezahlten Umsatzsteuer berücksichtigt, stellen sich Fragen.
Der Gewinn / Lohn für den/die Unternehmer/in dürfte sich kaum über eine Summe von brutto 1000,- €uro im Monat hinausbewegen.
Die Frage muss erlaubt sein: wie kann man davon dauerhaft seinen Lebensunterhalt bestreiten?
Wie sind hier Qualitätssicherung, Entwicklung und Weiterbildung aber auch Altersvorsorge möglich?
Fragen die bisher offen bleiben …


von rund 84.600 Salons erzielen 71.470 Betriebe weniger als 125.000 Euro Jahresumsatz
Bei einem durchschnittlichen Gewinn von 19,1 % (lt letztem Wella EVA Betriebsvergleich für alle Betriebsgrößen) ergibt das ein Unternehmereinkommen von rund 2.000 Euro monatlich – kaum mehr als das Gehalt der Angestellten.
Die Ursachen sind bekannt:
Unzureichende Wertschöpfung
Fehlende Preisanpassung trotz steigender Kosten
Mangelnde Differenzierung gegenüber Billiganbietern
Zudem wird vermutet, dass Kreativität bei der Kassenführung – sprich Schwarzgeld – ein strukturelles Problem darstellt, das eine gesunde Marktentwicklung behindert.
Unser Appell:
Diese Zeit bietet Chancen. Wer seine Leistungen sichtbar macht – Beratung, Service, Qualität – und sich mutig vom Billigsegment abhebt, kann sich erfolgreich positionieren. Es geht darum, Alleinstellungsmerkmale zu schaffen und unternehmerisch zu handeln, ohne die Werte aus den Augen zu verlieren.
.

