Wofür steht die Initiative „Der faire Salon“?
Die Initiative „Der faire Salon“ ist eine Wertegemeinschaft verantwortungsvoll arbeitender Friseurunternehmen, die sich für ethisches Handeln, faire Arbeitsbedingungen und nachhaltige Qualität im Friseurhandwerk einsetzen. Sie wird oft als Gegenbewegung zu Billigketten und Lohndumping wahrgenommen – doch das greift zu kurz. Denn nicht der Preis allein entscheidet über Fairness, sondern das dahinterstehende Konzept.
Differenzierung statt Pauschalkritik
In Zeiten globalisierter Märkte haben Discountangebote ihre Berechtigung. Auch im Friseurhandwerk existieren unterschiedliche Modelle – vom Luxussalon bis zum Fast-Friseur. Letzterer bietet meist reduzierte Leistungen, verzichtet auf Beratung und Service, arbeitet ergebnisorientiert und erwartet keine Kundenbindung. Das ist legitim, solange es transparent kommuniziert wird.
Die Initiative kritisiert nicht das Konzept „preiswert“, sondern die Auswüchse einer „Geiz ist geil“-Mentalität, bei der Qualität, Menschlichkeit und Verantwortung auf der Strecke bleiben.
Was wir als bedenklich empfinden
Billigpreise werden dann problematisch, wenn sie…
– durch mangelhafte Qualität zu Gesundheitsrisiken führen
– auf Lohndumping und Teilzeitmodelle beruhen, die staatliche Zuschüsse nötig machen
– durch Minijobs Altersarmut fördern
– durch steuerliche Sonderregelungen Wettbewerbsverzerrungen verursachen
– durch den Einsatz ungelernter Kräfte die Dienstleistungsqualität gefährden
– durch aggressive Verkaufspraktiken Kundinnen und Kunden täuschen
Fairness bedeutet Verantwortung – für alle Beteiligten
Die Initiative setzt sich für ein ausgewogenes Miteinander ein. Dazu gehört:
Faire Behandlung von Mitarbeitenden: Förderung von Talenten, leistungsgerechte Entlohnung, klare Ablehnung von unbezahlter Probearbeit und Ausbeutung.
Kritische Haltung gegenüber Marktverzerrungen: z. B. durch Kleinstunternehmerregelungen, die zu steuerlichen Ungleichheiten führen.
Appell an die Arbeitsmarktpolitik: Das Friseurhandwerk darf kein Auffangbecken für leistungsschwache Schulabgänger oder ungeeignete Existenzgründungen sein.
Kritik an der Industrie: Wenn Friseure für Markenprodukte mehr bezahlen als Verbraucher im Supermarkt, ist das kein fairer Umgang.
Grundlage: Der europäische Friseurkodex
Die Initiative beruht auf den Empfehlungen des „Kodex für das Friseurhandwerk in Europa“, der unter Mitwirkung der EU entstanden ist, sowie auf dem WIN-Prinzip der Harvard-Universität. Ziel ist eine Win-Win-Situation für Kundschaft, Mitarbeitende und Betriebe – im Sinne von Nachhaltigkeit und einem besseren Miteinander.

